Die Heilkraft der Schlagwurst

    Über die heilende Wirkung einer Schlagwurst bei dem an Malaria erkrankten Studenten Otto von Bismarck informiert der Publizist Friedrich Schmidt-Hennigker.

    Während seiner Studienzeit in Göttingen erkrankte Bismarck am kalten Fieber, wahrscheinlich infolge von Ueberanstrengung. Denn die meisten Studenten pflegen spät nachts zu studieren, des Tages und in den Abendstunden ihren studentischen Vergnügungen nachzugehen, soweit ihre Zeit durch Vorlesungen nicht belegt ist.

    Ob nun gerade Herr von Bismarck auch ein solcher Nachtstudierender und Tagesvergnügler war, wollen wir nicht behaupten, zu Zeiten wird er es aber doch wohl gewesen sein.
    Der Arzt, den er konsultierte, verschrieb ihm das bekannte Fiebermittel Chinin. Bismarck war indessen ein Feind aller und jeglicher Medizin.

    Nun war zufällig zu jener Zeit eine Sendung Schlagwurst [geräucherte Wurst aus Schweinemett] und Spickgans [geräucherte Gänsebrust] von zu Hause eingetroffen. Diese spezifisch heimatlichen Eßwaren weckten in Bismarck auch den alten heimatlichen Appetit und anstatt Chinin zu nehmen, verspeiste er mit großem Wohlbehagen die zwei Pfund Schlagwurst, ging dann spazieren und stärkte sich im weiteren an einigen Krügen Bier.

    Die Folge war, daß er hierauf sehr gut schlief und des andern Tages wieder wohl und munter aufstand.
    Als er den Besuch des Arztes empfing, apostrophierte er diesen schalkhaft:
    „Dem Himmel sei Dank, bester Herr Doktor, das Fieber ist verschwunden.“
    „Ja, ja,“ erwiderte der Arzt, „Chinin ist eben ein vortreffliches Mittel.“
    „Diesmal wohl nicht, bester Herr Doktor, aber zwei Pfund Schlagwurst brachten diese Wirkung hervor und das Uebrige mag die Natur vollzogen haben.“

    Fr. Schmidt-Hennigker (Bearb.), Bismarck-Anekdoten. Heitere Szenen, Scherze und charakteristische Züge aus dem Leben des ersten Reichskanzlers, 10. Aufl., Stuttgart o.D., S.18f.

     

    3b 1834 Bismarck als Student Otto von Bismarck im 19. Lebenjahre, nach einer Zeichnung von Gustav von Kessel, erschienen in: Dr. Alfred Funke, Das Bismarck-Buch des deutschen Volkes, erster Band, Leipzig 1921 (gemeinfrei)